agata schubert

Where is my mind

Das Gesicht täuscht. So sehr im Gesicht viele Nuancen zu erkennen sind, so täuscht seine Oberfläche über das, was darunter vor sich geht.

„Das Ich ist der Ort der Täuschung,“ erklärte der französische Psychoanalytiker, der in einem wichtigen Aufsatz die Bedeutung Gesichtes im Blick auf sein eigenes Spiegelbild für den Prozesse der Ich-Findung des Menschen im Lauf seiner kindlichen Entwicklung hervorhebt. „Das Spiegelstadium als Bildner der Ich-Funktion“ betont die Be-Deutung der Einheit und Wiedererkennbarkeit des eigenen Gesichtes und Körperbildes in der Überwindung des zuvor vom Kind als zerstückelt und unkoordiniert erlebten eigenen Körpers. Nur so gibt es Sicherheit, von seinen eigenen, in alle Richtungen drängende Regungen, nicht unaufhörlich überflutet zu werden. So einfach Agata Schubert-Haucks Gesichtsstudien erscheinen, so kompliziert sind die psychologischen Prozesse, die sie anschaulich machen. Es ist eine völlig andere Form der Gesichtsstudie als die des traditionellen malerischen (oder bildhauerischen Portraits), wie sie in ähnlicher Weise bereits vom Maler Francis Bacon auf die Leinwand gebracht wurde. Im Gesicht nicht nur die unverwechselbaren äußerlichen Merkmale, sondern auch unverwechselbare Eigenschaften dieses Menschen, Verletzungen und Eigenarten, als ob das Seelische und seine Erfahrungen Teil des fleischlichen Gewebes wären  Die psychologische Dimension, die Agata Schubert-Hauck in ihren Köpfen und Gesichtern sichtbar machen will, vermeidet, anders als Bacon jede Individualisierung des Gesichtes und bringt stattdessen Typisierungen ins Bild, die in Gestalt des menschlichen Antlitzes seelische Befindlichkeiten, seelische Mechanismen und seelische Muster zum Ausdruck bringt. Nicht individuelle seelische Aspekte und Empfindungen sollen prägnant sichtbar gemacht werden, sondern seelische Prozesse, die in jedem menschlichen Gesicht wirksam sind. Und wieder ist es ein Versuch der Künstlerin, Paradoxes in den Blick zu bringen. Und das heißt auch, alle diese schwierigen Gesichter sind wahrscheinlich nicht vielen Menschen zugehörig, sondern einem einzigen. Der Künstlerin selbst möglicherweise.

Texte von Jürgen Kisters

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